Schützen eine Corona-Infektion oder eine Impfung anhaltend vor einer (erneuten) Ansteckung?

Im Rahmen einer Ansteckung mit dem SARS-CoV-2 reagiert das menschliche Immunsystem u.a. mit der Aktivierung von B-Zellen, die Antikörper bilden. Neutralisierende Antikörper lassen sich meist nach der zweiten Woche, z.T. aber auch erst nach über 4 Wochen nachweisen. Für den Schutz vor einer erneuten schweren oder überhaupt bemerkten Infektion ist vor allem – aber nicht nur – die Höhe der neutralisierenden Antikörper relevant. Diese sinken aber im Verlauf der Monate nach Infektion oder Impfung ab.

Außerdem werden T-Zellen aktiviert, die gegen das Spike-Protein und andere Virusproteine kämpfen. Eventuell zeigt das Auftreten von spezifischen T-Zellen einen milderen Verlauf an. Während die Höhe der Antikörper im Verlauf von Monaten absinkt, entwickelt sich bei vielen Menschen im Verlauf der ersten sechs Monate (möglicherweise bei langem Virusnachweis eines Infizierten) eine Antwort der B-Gedächtniszellen.

Gelegentlich stecken sich Menschen nach einer COVID-19-Infektion ein zweites Mal an, so dass nach durchlaufener Infektion zwar ein sehr guter, aber kein vollständiger Schutz vor einer erneuten Ansteckung angenommen werden kann. Die Schutzwirkung durch eine frühere Erkrankung lässt im Laufe der Zeit nach, wahrscheinlich durch ein Absinken der neutralisierenden Antikörper. In einer Studie an Krankenhausmitarbeitern in Großbritannien konnte gezeigt werden, dass der Schutz von Genesenen vor einer zweiten Infektion maximal ein Jahr nach Infektion bei 83% liegt, und dass eine erneute Infektion, wenn sie überhaupt auftritt, bei 95% der Betroffenen ohne Symptome (asymptomatisch) verläuft. Wie lange dieser Schutz anhält, ist aktuell noch nicht klar.

Auch die Impfung verursacht eine Immunität – wobei auftretende Virusvarianten, die das Spike-Protein verändern, eine verminderte Antikörperproduktion und damit einen geringeren Schutz vor symptomatischer Infektion mit sich bringen können. Dies ist bei der aktuell dominierenden Delta-Variante gegenüber den bei Impfstofferprobung kursierenden Alpha- und Beta-Varianten der Fall, und zwar insbesondere dann, wenn von zwei vorgesehenen Impfungen nur eine erfolgte.

In Zulassungsstudien haben sich für den Biontech/Pfizer-Impfstoff (Comirnaty®) und beim Moderna-Impfstoff (Spikevax®) (beides mRNA-Impfstoffe) Wirksamkeiten von je 95% gegen eine schwer verlaufende Infektion gezeigt. Die Impfstoffe Vaxzevria® von Astra Zeneca und Janssen® von Johnson&Johnson, der nur einmal verabreicht wird, sind Vektorimpfstoffe, bei denen ein Schutz vor schweren Krankheitsverläufen von bis zu 80 Prozent (Vaxzevria®) bzw. ca. 65% (Janssen®) besteht.

Wenn es trotz vollständigem Impfschutz zu einer Infektion kommt, spricht man von einem „Impfdurchbruch“. Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen ist die individuelle Immunantwort relevant, das heißt die Höhe der gebildeten Antikörper. Sie ist abhängig vom Alter, von vorbestehenden Immunerkrankungen oder eingenommenen (immunsuppressiv wirkenden) Medikamenten. Auch der zeitliche Abstand von der erfolgten Impfung ist relevant, denn die Antikörper sinken im Verlauf der Monate wieder ab.

In einer Erhebung aus Großbritannien konnte gezeigt werden, dass die durch den Biontech/Pfizer-Impfstoff nach 14 Tagen eine Schutzwirkung von 92% bestand, und dass dieser nach einem, zwei und drei Monaten auf 90, 85 und 78 Prozent abfiel. Nach zwei Astra Zeneca-Impfungen lag die Rate initial bei 69% und fiel nach 3 Monaten auf 61 Prozent ab.

Eine aktuelle Studie aus Israel zeigt, dass Menschen mit einer durchgemachten Erkrankung besser vor einer erneuten Infektion geschützt sind als vollständig Geimpfte, und das nochmals mehr, wenn sie zusätzlich eine einmalige Booster-Auffrischimpfung mit Biontech/Pfizer erhalten haben (https://doi.org/10.1101/2021.08.24.21262415).
Wichtig ist, dass eine Infektion trotz Impfung bei der aktuell vorherrschenden Delta-Variante zwar effektiv vor einem ernsten Krankheitsausbruch schützt, dass (im Gegensatz zur Alpha-Variante) jedoch die Viruslast von Infizierten nicht reduziert ist! Das heißt, dass Ungeimpfte sich leicht anstecken können, da die Infektion von Geimpften zwar nicht symptomatisch verläuft, diese aber trotzdem genauso infektiös sind wie klinisch schwer Erkrankte. Umso wichtiger ist, dass möglichst viele Menschen, für die der Impfstoff zugelassen ist, sich vollständig impfen lassen.