Therapie der COVID-19-Erkrankung

Im Laufe des letzten Jahres konnten viele Erkenntnisse über die Therapiemöglichkeiten der Erkrankung gesammelt werden, was die Prognose für stationäre Patienten deutlich verbessert hat. Dies hat dazu beigetragen, dass inzwischen deutlich weniger stationär aufgenommene Menschen auf der Intensivstation behandelt werden müssen (14% Ende Dezember 2020 gegenüber 30% zu Beginn der Pandemie). Das liegt vor allem daran, dass jetzt mehr darüber bekannt ist, wie eine künstliche Beatmung vermieden werden kann und, wenn sie dennoch erforderlich ist, wie sie durchgeführt werden sollte (Karagiannidis et al, The Lancet online, veröffentlicht 05.03.2021).

Der erste Therapiepfeiler der COVID-19-Infektion ist die antivirale Therapie, wobei es noch immer keinen eindeutig effektiven Wirkstoff gibt, nachdem die Wirksamkeit von Remdesivir nicht bestätigen konnte. Von großer Bedeutung ist weiterhin die antientzündliche Therapie bzw. die Bekämpfung der verstärkten Immunreaktion (Hyperinflammation), wobei momentan Cortison in verschiedenen Dosierungen effektiv eingesetzt wird. Die Anwendung von monoklonalen Antikörpern gegen bestimmte Entzündungsfaktoren (z.B. die Interleukin-6-Rezepter-Antikörper Tocilizumab und Sarilumab) wird aktuell in verschiedenen Studien geprüft. Andere antientzündliche Präparate haben sich bisher nicht als sicher wirksam erwiesen.

Essentiell ist darüber hinaus eine gerinnungshemmende Therapie, um die durch die COVID-19-Infektion entstehende erhöhte Gerinnbarkeit des Blutes (Hyperkoagulabilität) mit daraus entstehenden Schlaganfällen und anderen Durchblutungsstörungen zu verhindern, insbesondere bei allen stationär behandelten Patienten. Aktuell wird in Studien untersucht, wie eine Gerinnungshemmung durch Heparin, Thrombozytenfunktionshemmung oder orale Antikoagulation erreicht werden kann, in welcher Dosierung und wie lange diese notwendig ist.
Bei Atemproblemen ist die Sauerstoffgabe essentiell, wobei eine maschinelle Beatmung möglichst vermieden werden soll, da sie eine höhere Sterblichkeit bei Infizierten mit sich bringt. Darüber hinaus müssen natürlich spezifische Organmanifestationen erkannt und behandelt und physiologische Körperfunktionen wiederhergestellt werden. Bei komplizierten Verläufen ist daher häufig ein Aufenthalt auf der Intensivstation notwendig.