Wie behandelt man ein Post-COVID-Syndrom?

Aus dem komplexen Pathomechanismus der Infektion, der so viele Organe schwer schädigen kann, ergibt sich die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Therapie, die oft multidisziplinär erfolgt. Ein wichtiger Pfeiler ist die Nachbeobachtung und Therapie pulmonologischer Symptome beim Lungenfacharzt, da bei zwei Dritteln der Betroffenen noch Einschränkungen bestehen. Gravierende und irreversible Lungenschädigungen (i.S. einer Lungenfibrose oder einer eingeschränkten Lungenfunktion durch Entzündung und Thrombose der kleinsten Lungengefäße) scheinen trotz allem eher selten zu sein. Das bedeutet, dass sich im weiteren Verlauf der Rehabilitation die Lungenparameter stetig verbessern können. Ob und wie häufig es zu einer kompletten Regeneration kommt bzw. wie häufig eine irreversible Lungenbeeinträchtigung bestehen bleibt, ist aktuell noch nicht klar.
Thrombosen und Thromboembolien, deren Häufigkeit bei bis zu 30% der stationär behandelten Patienten liegt, werden mit einer gerinnungshemmenden Therapie behandelt. Bisher erfolgt dies nur bei den schwer erkrankten und deshalb stationär behandelten Corona-Infizierten. Ob eine derartige Therapie auch bei den leichten Verläufen sinnvoll und notwendig ist, ob sie im venösen und/oder im arteriellen Gefäßsystem erfolgen sollte und wie lange, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch unklar. Es werden verschiedene Therapieformen (Thrombozytenfunktionshemmung, Heparin, orale Antikoagulation) eingesetzt. Bei chronischen Verläufen gibt es noch kein standardisiertes Vorgehen, weil momentan noch zu wenig über Nutzen und Schaden dieser Therapien bekannt ist.

Neben der Lungenfunktion müssen auch Einschränkungen weiterer Organfunktionen (z.B. der Herzfunktion und eine potentielle Schädigung) identifiziert und adäquat behandelt werden. Andere spezifische Organmanifestationen können an Nieren, Leber, Magen-Darm-Trakt, im Blut, im Hormon- und im autonomen Nervensystem (autonome Dysfunktion, posturales Tachykardie-Syndrom), in den Augen und an der Haut auftreten und darüber hinaus psychische Störungen bewirken. All diese müssen erkannt und spezifisch therapiert werden, wenn möglich durch eine fachärztliche Betreuung in dem jeweils betroffenen Bereich.

Jede neurologische Manifestation in der Akutphase und Post-Akut-Phase wird entsprechend den Leitlinien für neurologische Erkrankungen therapiert (siehe auch Therapie der COVID-19-Erkrankung). Da die neurologischen Komplikationen häufig einen chronischen Verlauf annehmen, ist eine fachärztliche Betreuung nach der Akutphase hilfreich. Einerseits können hier der Rehabilitationsverlauf begleitet und mögliche Komplikationen erkannt und therapeutisch eingegriffen werden. Andererseits können hier weitere Krankheitsmanifestationen wie Fatigue (s.u.), Schlafstörungen, kognitive und mentale Störungen angesprochen und möglichst spezifisch behandelt werden.

Gegen Schlafstörungen und Post-COVID-Kopfschmerzen kann immerhin eine symptomatische medikamentöse oder nichtmedikamentöse Therapie erfolgen. Die störende Geruchsstörung bildet sich zum Glück in den allermeisten Fällen innerhalb des ersten Jahres zurück, so dass Abwarten der einfachste Weg ist. Als Therapie kann ein gezieltes Riechtraining sinnvoll sein. Hierzu sollen Geruchsnoten wie Rose, Zitrone, Eukalyptus und Gewürznelke effektiv sein.

Gegen das Fatigue-Syndrom existiert zum jetzigen Zeitpunkt kein gesichert effektives Medikament. Sicherlich ist eine gesunde ausgewogene Ernährung wichtig, ein normaler Vitamin-D-Spiegel und eventuell auch die Gabe von Vitaminen und Mineralstoffen (z.B. Zink, Vitamin C). Das körperliche Training, das auf alle Fälle sinnvoll ist, muss sorgsam an die reduzierten physischen Fähigkeiten angepasst werden und die Belastungsschritte sehr langsam und vorsichtig gesteigert werden. Hierzu ist die Unterstützung durch Physiotherapie und/oder Rehasport sinnvoll. Ein wichtiges Schlagwort ist die Stressreduktion, was die körperliche Belastung, aber auch weitere gesundheitliche, psychosoziale und mentale Bereiche angeht (S Afr Med J 2011;111(1):10-12 ). Dazu kann auch eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll sein.

Zusammenfassend müssen in der Behandlung von Menschen mit einem Post-COVID-Syndrom viele Disziplinen zusammenwirken, um eine individualisierte Diagnostik und Therapie aller betroffenen Organfunktionen zu ermöglichen. Denn das Ziel ist es natürlich, dass die Komplikationen behoben werden und den Betroffenen eine Rückkehr in ihr normales vorheriges Leben möglich ist (NICE guideline on long covid, BMJ, 2020; 371:m4938).